Freitag, 24. März 2017

Gedankenlauf

Herrlichstes Wetter macht es leicht, auf die abendliche Runde zu gehen. Anders als beim Tempodauerlauf 2 Tage zuvor, da hatte ich echt harte Dialoge mit meinem inneren Schweinehund. Den ich dann aber knapp niederringen und mit flottem Schnitt von 5:48 Min/km ihm dann die lange Nase zeigen konnte.
Heute nun stehen 15 km im Marathontempo auf dem Plan.

Dazu habe ich mir eine besondere Motivation zurecht gelegt, denn im Netz stieß ich auf das Veranstaltervideo des letztjährigen Prag Marathons, den ich ja selber mitlief und den wir im Mai erneut angehen werden. Und wenn man mit diesem eigenen Hintergrund die Bilder sieht, kommen die Emotionen gleich nochmals hoch:


So laufe ich also mit den Kilometern gefühlt in Gedanken in Prag, bei km 2,5 nochmals über die weltbekannte Karlsbrücke über die Moldau, kurz durch die Altstadt, bevor es auf die später nochmals zu durchlaufende Nord-Ost-Schleife in einen eher unspektakulären Stadtteil geht. Mein Trainingslauf reicht sogar für den ersten Zieldurchlauf bei km 12,5. Ja, in Prag läuft man wahrhaftig zweimal über die Matte, das erste Mal zum Schnuppern, und erst beim zweiten Mal in echt.
Mit solchen Gedanken im Kopf läuft es sich recht flott. Gegen Ende sogar schneller, allerdings muss ich ja nicht die ganzen 42 km absolvieren.

Ich nehme mir unterwegs die Zeit, nahe des Tagebaurandes auf dem Gelände eines zum Teil schon verschwundenen Gutshofes die dort prächtig blühenden Frühlingsblumen zu fotografieren. Eine Idylle, deren Tage gezählt ist.











15°, 15 km, 1:32:04, (6:08 Min/h), HF 137

Sonntag, 19. März 2017

Baggereien

Angesichts des Wetters drücke ich mich ein wenig ums Loslaufen herum. Sturmböen bis 50 km/h sind angekündigt. Und da ein langer Trainingslauf?
Was solls, bevor die Bedenken Überhand nehmen, renne ich einfach mal los.

Möchte nochmals an eine Stelle des Tagebaurands, die sich leider ziemlich verändert hat.




Doch zunächst ein Stück Waldlauf. Gibt wunderbar Windschatten. Dennoch pustet es mir das Röhren der Motoren und den Streckensprecher des Erftlandrings ans Ohr, Kartrennen sind angesagt. Da können die Vögel mit ihrem fröhlichen Zwitschern kaum mithalten.







Und dachte ich noch, ich kenne mich hier aus, habe ich mich dennoch verfranzt und stehe plötzlich vor einer großen umzäunten Fläche. Die ehemalige A4, die hier bepflanzt wurde. Dann gibt das wohl Hoffnung, dass wenigstens ein Stück dieses Waldes erhalten wird.








Doch bald stehe ich dort, wohin ich wollte. Das hier war noch vor einem Jahr ein lauschiger Waldweg. Jetzt eine Wüstenei.













Ich bin recht nahe am Rand des Tagebaus und nutze die Gelegenheit zum Fotografieren. Nun ja, ein  Stück weiter zurück lag so etwas im Matsch am Wegesrand, das könnte ein Verbotsschild gewesen sein, lag auf dem "Gesicht". Ich fühle mich aber nicht für Aufräumung zuständig. Daher gefällt mir der Anblick nicht ganz, der mir beim Rückweg ins Auge springt: Von ganz hinten, wohin ich nun wieder zurück will, kommt ein Sheriff-Auto auf mich zugefahren. Das ist aber ein unpassender Moment. Gerade noch kann ich die vermeintliche Schildstelle erreichen und gleich dahinter in einen Feldweg einbiegen, der auf öffentlichem Gelände liegt. Uff! Das Auto folgt mir eine Weile, ich höre die auf den Kieseln knirschenden Reifen hinter mir. Als ich dem Tagebau den Rücken zuwende, dreht er ab, ich sehe ihn aber noch eine Weile immer schön parallel zu mir auf einem anderen Feldweg rollen. Doch für heute habe ich nun ein anderes Ziel: Manheim, das sterbende Dorf. Seit ich im Oktober zuletzt dort war, hat sich sicher etwas geändert. Und das hat es in der Tat ...

Wie kaum anders zu erwarten, noch mehr leere Häuser.








































Und immer wieder abgemeldete Autos vor den Häusern. Den Sinn verstehe ich immer noch nicht.











Ich komme an den Dorfrand und trostlose ausgeräumte Vorgärten fallen ins Auge. Doch das sind nur die Vorboten.











An der nächsten Straße hat der Abriss begonnen!
Nun wird es also ernst hier und man kann den Tod des Ortes ab jetzt greifbar miterleben.

























Wie mag das Trümmerfeld wohl auf die früheren Bewohner wirken?
Ein Vergleichsfoto zu diesem Anblick habe ich noch vom März 2016 gefunden:












Orientierungspunkt ist das Haus mit der Dachgaube.










Mir reicht es mit dem traurigen Anblick und ich trabe durch das Dorfzentrum weiter durch einen so gut wie menschenleeren Ort.
An einer Kreuzung kommt just in dem Moment, als ich die Straße überqueren will, ein Auto angefahren. Welch ein Zufall! Der Fahrer gibt mir Zeichen, lässt mich passieren, damit ich bei dem "Verkehrsgewimmel" zügig weiterkomme ;-)




Vom Wegekreuz beim Dorfausgang ist nur noch der Sockel übrig. Hoffentlich fand es einen schönen Platz am neuen Ort.
















Auch der Friedhof hat sich weiter geleert. Ja, auch diese Angehörigen ziehen mit um.

Inzwischen habe ich rd. 14 km absolviert. Ein kleiner Tiefpunkt stellt sich ein. Mein Plan war, möglichst weit dem Wind entgegen zu laufen, damit er mich dann gnädig für die restliche Strecke unterstützen möge.
Weiter westwärts bedeutet nun, den Radweg neben und oberhalb der neuen Autobahn zu nehmen, ziemlich exponiert und genau dem Wind entgegen. Ich trippele vor mich hin und genehmige mir die eine oder andere Gehpause, ohne die käme ich ohnehin nicht auf den Plan-Schnitt von 7:54 Min/km. Auf diesem Weg bin ich ziemlich für mich, bei dem Wetter bleiben die Radler daheim. Wenigstens kommt nicht Nasses von oben, ja hier und da blitzt sogar ein knappes Himmelsblau zwischen den Wolken hervor.



Ich kann über den Halbzeittiefpunkt hinweglaufen, aber die letzten 5 km werden zäh. Wenigstens komme ich so dann aber einmal auf die (Trippel-)Schrittfrequenz, die erstrebenswert sein soll. In meinem Wohnort angekommen, drehe ich noch eine Runde im Windschatten der Häuser. 
Und überlege schonmal, was ich als erstes dem Gaumen zukommen lasse. Bäcker ist leider nicht, der hat seine Öffnungszeiten geändert und ich bin zu spät dran. Aber erst ein feines Radler und dann ein Bananenshake mit Limette munden mindestens genauso gut!


12°, 29 km, 3:32:19, (7:19 Min/km), HF 137

Donnerstag, 16. März 2017

Der geplatzte Knoten

Solche Tage müsste man öfter haben: Tolles Wetter und es läuft endlich wieder!
Da ich in den letzten Wochen vor allem beim Laufen  immer wieder unangenehmen Druck im Oberbauch hatte, habe ich mich durchchecken lassen, kenne daher nun die Ursache für meine Laufprobleme: Der olle Magen. Nachdem ich nun seit einer Woche Säureblocker nehme, siehe da, geht es deutlich besser. Schon ein 10 km Tempodauerlauf am Dienstag war wieder wie in alten Zeiten, der Knoten ist geplatzt!

Und bei dem tollen Wetter heute darf erstmals in diesem Jahr die grüne Elli (Link) an die Luft. Ach wie herrlich, auf ihr über die Wege zu flitzen! Mich zieht es an die Kante des Tagebaus. Andere auch. Ein Autofahrer mit Münchner Nummer hält am Straßenrand und kraxelt an verbotener Stelle auf den 2m hohen Erdwall zwischen Straße und Loch. Hatte ich eigentlich ähnlich vor, weil gerade dort ein Bagger sehr nah zu sehen ist. Doch das weiße Sheriffauto ein Stück weiter lässt mich diesen Plan schnell vergessen. Der Münchner lernt diese Sorte Auto und seine Insassen rasch kennen, wird des Platzes verwiesen, wie ich mitbekomme. Aber am Aussichtspunkt ein Stück weiter darf man ja offiziell gucken.

Ich muss mich gewöhnen. Die Beine an die länger nicht praktizierte Bewegung. Und ansonsten mich an die Kommentare und Reaktionen anderer. Eine jüngere Gassigängerin erkundigt sich nach meinem Gefährt, und ob das auch gut für Popöchen und Bauch und Oberschenkel sei?
Am Aussichtspunkt sprechen zwei ältere Herrn türkischen Backgrounds unzweifelhaft über mich. Würde mich ja zu sehr interessieren, was. Einer geruht mich dann auf deutsch zu fragen, ob das Ding jeder fahren könne. Nein, sage ich, das muss man länger üben (hihihi).
Viele Radler sind unterwegs und schauen mehr oder weniger neugierig.

Ich habe ca. 8 km hinter mir und wollte in etwa eine Stunde ellipieren.
Aber dann sticht er mich, der Hafer. Ich habe zwar keinen gesehen, doch die Symptome sind klar: Es zieht mich weiter und weiter und weiter. Ich habe weder Geld noch Getränk dabei, aber das muss jetzt eben ohne gehen.
Ich rolle auf der Straße am Grubenrand entlang, bis ich die alte Bandstraße, heute schicker umgetauft in Speedway terra-nova, erreiche.
Dann wird es eben eine große Runde heute.
Ich flitze über das Asphaltband, das nur Radlern, Spaziergängern, Skatern offensteht.
Herrlich!

Und dann geht es noch ein paar Kilometerchen am idyllischen Erftufer entlang. Das Wasser plätschert, zwei Schwanenpaare gleiten durchs Wasser.
Herrlich!
Auch wenn langsam die Beine schwer werden und die Muskelgruppen vor allem im Oberschenkel und knapp darüber deutlich ihre geleistete Arbeit kundtun, es macht so was von Spaß! Und wenn holperige Naturwege nicht so ganz Elli's Metier sind, na dann machen wir halt ein wenig langsamer, damit mein Gefährt sich nicht so schütteln muss. Aber ansonsten, meine Elli und ich, wir sind doch ein klasse Team! Ich könnte ihr glatt ein Liedlein singen: nämlich dieses hier.

Nach 30 km und gut 1,5 Stunden rolle ich wieder daheim vor.
Die Beine sind nun doch deutlich ermattet und die Treppen gehe ich etwas eierig. Aber wen stört das?
Nachdem mir der Kardiologe gestern beim Belastungs-EKG sagte, dass ich sogar wieder eine Stufe mehr geschafft habe wie 2016, sind das doch Heldenschmerzen!
💪

16°, 30 km, 1:34:41, (19 km/h), HF 150

Sonntag, 12. März 2017

Frischer Wind am neuen Teich

Ich kann es langsam nicht mehr lesen im Wetterbericht: "schwacher Wind mit frischen Böen". Das artete bisher regelmäßig aus in durchgängig kräftiger "sssteiffffer Brise".  Heute natürlich auch wieder. Würde ich noch surfen, wäre das heute hart am Sturmsegel.
Zu allem Überfluss liegt meine heutige Strecke auch noch so, dass ich auf den letzten Kilometern Gegenwind haben werde. Aber das will ich heute mal ignorieren und überhaupt ist es ja ein Langsamlauf. Sollte passen. Ich möchte nochmals den kürzlich entdeckten neuen Teich mitten im Feld besuchen.
Wie ich recherchieren konnte, wurde er nicht aus purer Umweltliebe hier drapiert, sondern weil der Tagebau an anderer Stelle einen Teich vernichtet hat. Dann muss ein Ersatz geschaffen werden.








Der Teich ist umzäunt, aber es stehen zwei Tarnwände am Rande...












... die "idyllische" Ausblicke bieten.













Bei meinem ersten Besuch hier vor wenigen Wochen war das Gewässer noch ohne gefiederte Benutzer. Nun ist ein Schwanenpaar zu sehen, im Hintergrund auf der Weide weitere weiße Vögel, die ich aber nicht genau identifizieren kann.





Einige Enten haben auch schon hergefunden.
Und vielleicht wird auch noch eine Bepflanzung angelegt, die das ganze für Vogel und Mensch etwas ansprechender gestaltet.







Ich lasse mich weiter vom kräftigen Rückenwind treiben. bis fast an die Tagebaukante. Der dortige Sportplatz ist allerdings noch geschlossen. Wäre bei dem Wind auch nicht gut bespielbar. Hier wird eine etwas schräge Sportart betrieben: Fußballgolf.
Ab hier muss ich nun auf den Push von hinten verzichten und stattdessen den Wind von vorne nehmen.

Ein Stück weit kann ich noch den Schutz eines Waldrestes nutzen, aber dann kommt freies Feld. Doch es läuft besser als gedacht. Nun ja, die 7:54 Min/km als Vorgabe machen es leicht, die Schritte kurz und kürzer zu machen.
Die 14° heute finde ich zudem wunderbar!
Ich absolviere die 16 Plan-Kilometer und hänge noch drei kurze Steigerungsläufchen an. Und sogar 20 sagenhafte Höhenmeter sind drin.


Am Ende werde ich belohnt mit einigen ziemlich auffälligen Wolkenformationen.
Und dann mit Kaffee und Kuchen.



















14°, 16 km, 1:50:40, (6:54 Min/km), HF 134

Donnerstag, 9. März 2017

Eselsruh

 
Nomen est Omen - als ich heute an der Schutzhütte mit dem wohlklingenden Namen "Eselsruh" vorbeilief, ahnte ich noch nicht, dass ich mich selber mit diesem Namen schmücken darf. Lösche ich mir doch die gemachten Fotos selber weg, bevor ich sie hier einbauen kann...
So was Blödes aber auch!!!
Nun denn, dann greife ich eben auf kürzlich gemachte Bilder des Objekts zurück und kann hier nicht bildlich protokollieren, wie eifrig ich dort Laufkraftübungen absolvierte, nämlich die Parkbankübung, bei der man munter immer wieder mit einem Bein auf selbige steigt, und Seitstützhampelmänner. Und dabei habe ich mir sooolche Mühe gegeben... Aber eine kleine Wimmelbildübung kann ich bieten:

So sah die Hütte vorletzte Woche aus:












Und so im April 2014:

Wer findet die Unterschiede? 😏

Warum das so ist, keine Ahnung.






2014 hing jedenfalls u.a. noch ein aktueller Kalender dort. Liebevollst fand man sogar Sitzpolster vor. Und Tische.
Und eine alte Landkarte des Gebiets. Treten wir ihr näher...






Die Eselsruh ist am unteren Rand, etwas gegen rechts, von Hand eingetragen.
Interessanter ist die große eingezeichnete Waldfläche links. Die Stammleser hier dürften es ahnen: Das ist die Fläche, die inzwischen im Tagebau verschwunden ist. Bzw. genauer, ein Teil davon, der Tagebau würde weiter nach links und unten ragen.
Mit der Ruhe wird es hier bald vorbei sein. Es soll ein Autobahnrasthof entstehen, mit besonders viel Parkplatz für Brummis.



Und oben auf dem Dache sehen wir ein namensgebendes Tier ... (hüstel).

Nun ja, kann ich ansonsten nur verbal meinen Lauf beschreiben. Es ist wieder einmal 4. Woche, d.h. der Plan ist etwas weniger fordernd. So sind es heute nur 12 langsame km, zzgl. Laufkraftübungen und am Ende 3 Steigerungsläufe. Ich kann vermelden, alles planmäßig erledigt. Das Laufgefühl ist ok, Puls auch. Aber es war ja auch ein langsamer Lauf. Und es gelang sogar, dies zwischen 2 Regengüssen zu platzieren. Was mir heute sogar egal gewesen wäre.

10°, 12 km, 1:19:57, (6:37 Min/km) HF 135